Hashimoto-Behandlung: Was die Funktionelle Medizin zeigt

Aerztin und Klientin im Gespraech an einem Tisch im Sprechzimmer
Dr. med. Manuel Burzler HealVersity

Dr. med. Manuel Burzler

Gründer HealVersity · Dozent DTMD University

Dr. med. Manuel Burzler ist Gründer von HealVersity und Mediziner für funktionelle Medizin in München. Als Dozent an der DTMD University Luxemburg lehrt er evidenzbasierte funktionelle Diagnostik. Er ist Mitglied der Swiss BLUEZONES Research Group und forscht zu Langlebigkeit und Prävention. Sein Ziel: Funktionelle Medizin als festen Bestandteil der ärztlichen Weiterbildung im DACH-Raum zu etablieren.

Inhaltsübersicht

Wer die Diagnose Hashimoto-Thyreoiditis (eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, bei der das Immunsystem körpereigenes Schilddrüsengewebe angreift) bekommt, landet meistens in demselben Gespräch: TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon, der wichtigste Standard-Messwert der Schilddrüsenfunktion) wird gemessen, Levothyroxin wird verschrieben, und sechs Monate später fühlt sich nichts wirklich besser an. Müdigkeit, Gewichtsprobleme, Gedankennebel. Die Werte sind unauffällig. Der Befund: „Alles in Ordnung.“ Das Erleben: Das Gegenteil davon.

Genau das ist das Kernproblem der konventionellen Hashimoto-Behandlung: Sie adressiert das Substitutionsdefizit, aber nicht die dahinterliegenden Ursachen. Dieser Artikel zeigt, wie die funktionell-medizinische Perspektive vier konkrete Ursachen-Cluster identifiziert, und warum die Reihenfolge der Interventionen über den Therapieerfolg entscheidet.

„Ich wollte das, was der Facharzt nicht erklärt, verstehen. Ich wollte verstehen, warum bin ich krank und wo sind meine Hebel?“

Silke, Coach mit chronischer Krankheitsgeschichte

Rechtlicher Hinweis: Die Inhalte auf healversity.com dienen ausschließlich der allgemeinen Information und Bildung. Sie ersetzen keine ärztliche Diagnose, Beratung oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wende dich an einen Arzt oder an qualifiziertes medizinisches Fachpersonal.

Das Wichtigste zur Hashimoto-Behandlung in Kürze

  • Hashimoto ist nicht nur ein Schilddrüsen-Problem, es ist ein systemisches Autoimmun-Thema.
  • Die vier funktionellen Ursachen-Cluster: Darm-Schilddrüsen-Achse, Nebennieren-Verbindung, stille Entzündung, Nährstoff-Defizite.
  • Blutwerte über TSH hinaus: fT3, fT4, rT3, TPO-Antikörper, TG-Antikörper, Homocystein, hsCRP, Ferritin, Cortisol-Tagesprofil.
  • Die Reihenfolge der Interventionen entscheidet über den Therapieerfolg.
  • Funktionelle Medizin ersetzt nicht die Schulmedizin, sie ergänzt sie um die Ursachenketten-Sicht.

Über was sprechen wir eigentlich?

Hashimoto-Thyreoiditis kurz erklärt

Hashimoto-Thyreoiditis ist die häufigste Autoimmunerkrankung der Schilddrüse und die häufigste Ursache für Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) in der westlichen Welt (1). Bei dieser Erkrankung produziert das Immunsystem Antikörper gegen das körpereigene Schilddrüsengewebe, vor allem TPO-Antikörper (gegen Thyreoidea-Peroxidase) und TG-Antikörper (gegen Thyreoglobulin). Diese Antikörper lösen eine chronische Entzündung aus, die das Schilddrüsengewebe langfristig schädigt.

Die Diagnose erfolgt über TSH-Wert im Blut, ergänzt durch Bestimmung der Antikörper und oft eine Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse. Die Erkrankung trifft Frauen etwa sieben bis zehnmal häufiger als Männer und hat ihren Häufigkeitsgipfel zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr.

Was die Schulmedizin bietet, und wo ihre Grenzen liegen

Die schulmedizinische Hashimoto-Behandlung konzentriert sich auf die Substitution des fehlenden Schilddrüsenhormons mit Levothyroxin (synthetisches T4). Das ist medizinisch notwendig und richtig. Das Problem liegt nicht in der Therapie selbst, sondern in dem, was fehlt: eine systematische Analyse der Ursachen, die die Autoimmunreaktion antreiben.

Viele Patientinnen und Patienten berichten, dass sie trotz normalisierter TSH-Werte weiterhin unter Erschöpfung, Gewichtsschwankungen und Brain Fog (kognitive Beeinträchtigungen wie Gedächtnislücken und Konzentrationsmangel) leiden. Das liegt häufig daran, dass der T4-zu-T3-Umbau gestört ist, dass Darmpathologien weiterbestehen oder dass stille Entzündungen im Hintergrund aktiv bleiben, und keine dieser Ursachen wird im Standard-Labor erfasst.

Die Symptom-Kette: Was Hashimoto wirklich auslöst

Das klinische Bild ist vielschichtiger als reine Schilddrüsenunterfunktion. Die Autoimmunreaktion beeinflusst zahlreiche Körpersysteme gleichzeitig. Das macht die Erkrankung so komplex, und erklärt, warum ein rein substitutiver Ansatz oft nicht reicht.

Erschöpfung und Gewichtszunahme

Chronische Müdigkeit ist das am häufigsten genannte Symptom. Sie entsteht nicht nur durch verminderte T4-T3-Konversion, sondern auch durch mitochondriale Dysfunktion (Beeinträchtigungen der zellulären Energieproduktion) und gestörten Schlaf, beides wird durch anhaltende Entzündungsprozesse begünstigt. Die Gewichtszunahme folgt häufig aus verlangsamtem Grundumsatz in Kombination mit Insulinsensitivitäts-Verschiebungen, die bei chronischer Schilddrüsendysfunktion auftreten.

Stimmungsschwankungen und Brain Fog

Die Verbindung zwischen Schilddrüse und Nervensystem ist direkt: Schilddrüsenhormone regulieren Neurotransmitter-Synthese, Myelinisierung und zerebrale Blutversorgung. Bei Therapien, die nur TSH normalisieren, bleibt dieser neurobiologische Aspekt oft unbeachtet. Hinzu kommt die Wirkung von Entzündungsmediatoren auf Stimmungszentren, ein Mechanismus, der auch bei anderen Autoimmunerkrankungen gut dokumentiert ist.

Kälteempfindlichkeit und Haarausfall

Kälteempfindlichkeit entsteht durch reduzierten Grundumsatz und veränderte periphere Durchblutung. Haarausfall bei Hashimoto hat mehrere Ursachen: direkter Hormonmangel, Eisenmangel (besonders Ferritin), Selenmangel und Zinkmangel, alles Nährstoffe, die bei der Standardtherapie kaum berücksichtigt werden, aber über Genexpression der Haarfollikelzellen entscheiden (2).

Zyklusprobleme und Fertilität

Die Hashimoto-Behandlung beeinflusst auch die Reproduktionsachse. Schilddrüsenhormone sind eng mit der HPA-Achse (Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse, das zentrale Stress-Regulationssystem des Körpers) und der HPG-Achse (Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse) verknüpft. Zyklusunregelmäßigkeiten, erhöhte Fehlgeburtsraten und verminderte Fertilität sind bei unzureichend behandeltem Hashimoto klinisch gut belegt.

Die 4 funktionellen Ursachen-Cluster bei Hashimoto

Eine wirksame Therapie beginnt mit der Frage: Was treibt die Autoimmunreaktion an? Die funktionelle Medizin identifiziert vier systematische Ursachen-Cluster, die bei jedem Hashimoto-Patienten in unterschiedlicher Gewichtung vorliegen.

1. Darm-Schilddrüsen-Achse (Leaky Gut und Autoimmunität)

Die Verbindung zwischen Darmgesundheit und Schilddrüse ist wissenschaftlich gut belegt: Ein großer Teil der Therapie muss über den Darm gehen, weil das Mikrobiom (die Gemeinschaft der Darmbakterien und -mikroorganismen) Schilddrüsenhormone in erheblichem Maß beeinflusst (3). Wenn die intestinale Barriere gestört ist, im klinischen Kontext als Leaky Gut (erhöhte Durchlässigkeit der Darmschleimhaut) bezeichnet, können Nahrungsbestandteile und mikrobielle Fragmente in die Blutbahn gelangen und das Immunsystem chronisch aktivieren.

Ein gut belegter Mechanismus ist die molekulare Mimikry: Gluten-Peptide ähneln strukturell Schilddrüsenproteinen, was die Autoimmunreaktion bei genetisch prädisponierten Personen verstärken kann (4). Ein dreimonatiger Gluten-Ausschluss-Versuch mit Antikörper-Kontrolle ist bei erhöhten TPO-Antikörpern klinisch sinnvoll.

Konkrete Marker für die Darm-Schilddrüsen-Achse im Labor: Zonulin (Darmbarriere-Marker), sekretorisches IgA, Stuhllaktase und mikrobiologische Stuhlanalyse. In der Functional Medicine Practitioner (Functional Medicine Practitioner Ausbildung) wird dieser Zusammenhang mit dem vollständigen diagnostischen Protokoll für die Leaky-Gut-Hashimoto-Achse vermittelt.

2. Nebennieren-Schilddrüsen-Verbindung

Chronischer Stress aktiviert dauerhaft die HPA-Achse, was zur erhöhten Cortisolproduktion (das wichtigste Stresshormon der Nebennierenrinde) führt. Dieser Zustand beeinflusst die Schilddrüsenfunktion auf mehreren Ebenen: Cortisol hemmt die Konversion von T4 in aktives fT3 (freies Trijodthyronin, das biologisch wirksame Schilddrüsenhormon), erhöht reverses T3 (rT3, eine inaktive Form die T3-Rezeptoren blockiert) und supprimiert TSH auf Hypophysen-Ebene.

Das bedeutet: Wer die Behandlung plant, ohne die Nebennierenfunktion zu berücksichtigen, behandelt nur einen Teil des Problems. Ein Cortisol-Tagesprofil (Speicheltest zu 4 Zeitpunkten) gibt Aufschluss darüber, ob Nebennierenüberlastung Teil des klinischen Bildes ist.

3. Silent Inflammation und Homocystein

Stille Inflammation (chronische Entzündung, die im Standard-Blutbild nicht sichtbar ist, aber Gewebeschäden verursacht) ist bei Hashimoto ein zentraler, oft übersehener Faktor. Homocystein (ein Aminosäure-Abbauprodukt des Methionin-Stoffwechsels, das bei erhöhten Werten Entzündungsprozesse fördert und kardiovaskuläre Risiken erhöht) ist ein sensitiver Entzündungsmarker, der bei Hashimoto-Patienten häufig erhöht ist.

hsCRP (hochsensitives C-reaktives Protein, ein Entzündungsmarker für niedriggradige Entzündungen) und Fibrinogen ergänzen das Bild. Erhöhte Entzündungsmarker bei gleichzeitig normalem TSH zeigen: Die Autoimmunreaktion läuft noch, auch wenn die Hormonsubstitution greift.

4. Nährstoff-Defizite (Selen, Zink, Vitamin D, B12)

Die Schilddrüse ist das selen-reichste Organ des menschlichen Körpers. Selen ist essenziell für die Thyreoidea-Peroxidase-Funktion und für den antioxidativen Schutz der Schilddrüsenzellen. Selenmangel korreliert mit erhöhten TPO-Antikörpern; Selensupplementierung (200 µg/Tag, bevorzugt organisch) zeigt in mehreren randomisierten Studien signifikante Antikörper-Reduktion (5).

Vitamin D hat eine direkte immunmodulierende Funktion: Vitamin D-Rezeptoren sitzen auf nahezu allen Immunzellen, und Vitamin D-Mangel ist bei Autoimmunerkrankungen signifikant häufiger als in der Normalbevölkerung (6). Zink und B12 vervollständigen das Nährstoff-Bild, beide sind für die T4-T3-Konversion und die Neurotransmitter-Synthese notwendig. Alle diese Marker gehören in das erweiterte Diagnosebild, finden sich aber im Standard-Blutbild nicht.

Kostenfreier Leitfaden

Was das Schilddrüsen-Labor über den TSH hinaus zeigt

Bei Hashimoto ergibt erst das Zusammenspiel mehrerer Werte ein klares Bild. Der Leitfaden zeigt dir, wie du Laborwerte im Zusammenhang auswertest.

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Mockup des Blutwerte-Leitfadens von HealVersity

Blutwerte, die gemessen werden sollten (über TSH hinaus)

Effektive Hashimoto-Behandlung beginnt mit einem vollständigen diagnostischen Bild. Der TSH-Wert allein reicht nicht aus, das erweiterte Schilddrüsen-Panel deckt auf, wo die tatsächlichen Dysregulationen liegen.

Das erweiterte Schilddrüsen-Panel

Das vollständige Schilddrüsen-Panel umfasst TSH, freies T4 (fT4, das im Blut zirkulierende Speicherhormon), freies T3 (fT3, das biologisch aktive Hormon nach Konversion), und reverses T3 (rT3, eine inaktive T3-Form, die bei chronischem Stress ansteigt und T3-Rezeptoren blockiert). Ergänzt werden diese durch TPO-Antikörper und Thyreoglobulin-Antikörper (TG-AK), die zentralen Autoimmun-Marker bei Hashimoto-Behandlung.

Die Relation fT3/rT3 ist dabei besonders aufschlussreich: Ein niedriges fT3 bei normalem TSH weist auf Konversionsstörungen hin, die häufig mit Nebennierenstress und Darmpathologien zusammenhängen.

Entzündungsmarker

Für die Hashimoto-Behandlung relevante Entzündungsmarker: hsCRP, Homocystein, Ferritin, Fibrinogen und Vitamin D. Genaue Referenzbereiche sind individuell und sollten im Gespräch mit einem funktionell arbeitenden Arzt eingeordnet werden.

Wie sich silent inflammation (stille chronische Entzündung) im Blutbild zeigt und welche Marker tatsächlich aussagekräftig sind, vermitteln wir in Modul 6 der Functional Medicine Practitioner Ausbildung über die Ursache-Wirkungs-Kette Entzündungen. Für Ärzte, die Hashimoto-Behandlung systematisch angehen wollen, ist das der diagnostische Einstieg.

Nebennieren-Marker

Das Cortisol-Tagesprofil (4 Messpunkte: morgens, mittags, nachmittags, abends) ist bei Hashimoto unverzichtbar. Dabei werden auch DHEA-S (Dehydroepiandrosteron-Sulfat, ein wichtiges Nebennierenhormon mit immunmodulierender Wirkung) und ggf. Aldosteron bestimmt. Diese Marker zeigen, ob die HPA-Achse überlastet ist und die Schilddrüsenkonversion dadurch gestört wird, eine der häufigsten Ursachen für persistierende Symptome trotz Levothyroxin-Therapie.

Hashimoto-Behandlung in der Reihenfolge, die zählt

Die Reihenfolge der Interventionen in der Hashimoto-Behandlung entscheidet über den Therapieerfolg. Wer alle Maßnahmen gleichzeitig startet, verliert die Möglichkeit zu sehen, was wirkt. Das Prinzip aus Modul 5 der Functional Medicine Practitioner Ausbildung (Patientenanamnese und Schilddrüsen-Differenzialdiagnostik) lässt sich bei Hashimoto in vier aufeinanderfolgende Schritte übersetzen.

Schritt 1: Entzündung senken

Bevor Darm und Nebennieren stabilisiert werden können, muss die akute Entzündungslast reduziert werden. Das gelingt über entzündungshemmende Ernährungsanpassung (Elimination von Gluten, Milcheiweiß, Zucker für mindestens 6–8 Wochen), gezielte Supplementierung mit Omega-3-Fettsäuren (EPA/DHA), Curcumin und Selen. Die Antikörper-Werte dienen als Kontrolle: TPO-AK sollten nach 8–12 Wochen Tendenz nach unten zeigen.

Schritt 2: Darm stabilisieren

Erst wenn die Entzündungslast reduziert ist, macht ein Darmprotokoll Sinn. Beispielsweise könnte eine Leaky-Gut-Interventionen L-Glutamin (Baustoff der Darmschleimhaut), Zink-Carnosin, gezielte Probiotika (bevorzugt Lactobacillus rhamnosus und Bifidobacterium-Stämme) sowie präbiotische Ballaststoffe umfassen. Darüber hinaus könnten Tests zur Darmfunktion, die im Rahmen der Functional Medicine Praktitioner Ausbildung in den Modulen Leaky Gut und Verdauung besprochen werden, dazu genutzt werden, individuell wirksame Protokolle für Hashimoto-Patienten zu erstellen. Eine generelle Empfehlung für Produkte oder Vorgehensweisen ist hier nicht möglich.

Schritt 3: Nebennieren unterstützen

HPA-Achsen-Unterstützung bedeutet in diesem Kontext konkretes Stressmanagement (kein vages „weniger stressen“), physiologisch orientierte Schlafhygiene, angepasste Bewegungsintensität (kein Hochintensitätstraining bei HPA-Überlastung) und ggf. adaptogene Unterstützung (Ashwagandha, Rhodiola, nach Cortisol-Profil angepasst). Die funktionelle Medizin-Perspektive zeigt hier einen systematischen Unterschied zur konventionellen Hashimoto-Behandlung.

Schritt 4: Substitution gezielt steuern

Erst wenn die ersten drei Schritte greifen, kann die Substitution gezielt angepasst werden. Das kann bedeuten: Wechsel von T4-only (Levothyroxin) auf T4/T3-Kombination, wenn die fT3/rT3-Ratio auf Konversionsstörung hinweist. Die Entscheidung bleibt ärztlich, aber die Datenlage aus dem erweiterten Labor gibt präzisere Entscheidungsgrundlagen als der TSH-Wert allein.

Für Ärzte und Therapeuten: Systematisch arbeiten

Wer die funktionell-medizinische Arbeit bei Hashimoto in die Praxis bringen will, braucht ein strukturiertes Anamneseinstrument. Der vollständige Anamnesebogen, der über TSH und Antikörper hinaus Darm, Schlaf, Stressbiografie, Ernährungsgewohnheiten und Nährstoffstatus systematisch erfasst, ist das erste Unterscheidungsmerkmal einer funktionell arbeitenden Praxis. Drei Merkmale einer guten funktionell-medizinischen Praxis für Hashimoto-Behandlung: ausführliche Anamnese (nicht nur Standard-Panel), erweitertes Labor, und eine klare Interventions-Reihenfolge.

Die Methylierungsdiagnostik ergänzt das Bild: MTHFR-Genvarianten (Varianten im Methylentetrahydrofolat-Reduktase-Gen, die den Methylkreislauf beeinflussen) beeinflussen sowohl Homocystein-Spiegel als auch Immunregulation, ein Aspekt der personalisierten Therapie, der im Standard-Labor nicht erfasst wird.

Weiterführend: die funktionelle Medizin und die Wurzel der Krankheit sowie der Zusammenhang zwischen Epigenetik und Diabetes, beide Erkrankungen teilen Pathomechanismen (Entzündung, Insulinsignaling, Darmbarriere), die in der Hashimoto-Behandlung relevant sind.

„Es ist möglich schmerzfrei zu sein ohne Medikamente.“

Dr. Agnes Schütz | Ärztin, Psychotherapeutin & zertifizierte Epigenetik-Coachin

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FAQ zur Hashimoto-Behandlung

Kann man Hashimoto „heilen“?

Autoimmunerkrankungen werden aktuell nicht als „heilbar“ im klassischen Sinn verstanden, das ist schulmedizinischer Konsens. Was die funktionell-medizinische Hashimoto-Behandlung zeigt: Antikörper-Level, Entzündungsaktivität und Symptomlast lassen sich deutlich reduzieren, wenn die funktionellen Ursachen (Darm, Nebennieren, Entzündung, Nährstoffe) systematisch angegangen werden. Viele Patientinnen und Patienten erleben nach 6–12 Monaten konsequenter Therapie eine deutliche Symptomfreiheit, auch wenn die Diagnose bestehen bleibt. Das Ziel ist nicht die Diagnose zu eliminieren, das Ziel ist die Krankheitsaktivität zu minimieren.

Reicht Levothyroxin nicht aus?

Levothyroxin substituiert das fehlende Schilddrüsenhormon, das ist notwendig und wichtig. Es adressiert aber nicht die Ursache der Autoimmunreaktion. Patientinnen und Patienten fühlen sich trotz normaler TSH-Werte oft weiter müde, weil der T4-T3-Umbau gestört sein kann, weil Darm- und Nebennieren-Pathologien weiterbestehen oder weil stille Entzündung die Zellaufnahme blockiert. Die funktionelle Perspektive in der Hashimoto-Behandlung betrachtet Substitution als einen Baustein unter mehreren, nicht als Endpunkt. Für viele Patientinnen und Patienten ist das die entscheidende Unterscheidung.

Welche Blutwerte sollte mein Arzt messen?

Das erweiterte Panel für Hashimoto-Behandlung umfasst: TSH, fT3, fT4, reverses T3 (rT3), TPO-Antikörper, Thyreoglobulin-Antikörper. Funktionell-medizinisch zusätzlich: Homocystein, hsCRP, Ferritin, Vitamin D, Vitamin B12, Zink, Selen, Cortisol-Tagesprofil. Nicht jeder Arzt misst das standardmäßig, oft muss man explizit danach fragen oder auf eine funktionell arbeitende Praxis ausweichen. Eine Orientierung zur Einordnung bietet der kostenlose Blutwerte-Leitfaden. Mehr Informationen zur Vitamin-D-Diagnostik findet sich im verlinkten Artikel.

Ist Gluten-Verzicht bei Hashimoto wirklich nötig?

Die Studienlage zeigt: Bei Hashimoto-Patientinnen und -Patienten mit erhöhter Antikörper-Aktivität profitiert ein Großteil von Gluten-Karenz. Der Mechanismus: Gluten-Peptide ähneln strukturell Schilddrüsenproteinen, was die Autoimmunreaktion anheizen kann (molekulare Mimikry). Ein 3-monatiger Gluten-Verzicht mit Kontroll-Bluttest ist ein klinisch seriöser Selbsttest in der Hashimoto-Behandlung, nicht jeder muss dauerhaft gluten-frei leben, viele jedoch schon. Die Entscheidung sollte auf Basis von Antikörper-Verlauf, nicht auf Basis von Symptomgefühl allein getroffen werden. Hintergrundwissen zu Erschöpfung und Darmproblemen findet sich im verlinkten Artikel.

Woran erkennt man eine gute funktionell-medizinische Praxis für Hashimoto-Behandlung?

Drei Merkmale: Erstens, ein ausführlicher Anamnesebogen (nicht nur TSH-Standard-Panel), der Darm, Nebennieren, Schlaf und Ernährung abfragt. Zweitens, Blutwerte über den Minimalstandard hinaus, das erweiterte Panel ist der Unterschied zwischen symptomatischer und ursachen-orientierter Hashimoto-Behandlung. Drittens, eine klare Interventions-Reihenfolge: nicht alles auf einmal, sondern systematisch in Schritten. Wenn ein Behandler sofort 15 Supplemente verschreibt, ohne Darm und Anamnese geklärt zu haben, ist kritisches Nachfragen angemessen. Hintergrund zur Energie und Lebensqualität, sowie der Bezug zwischen Epigenetik und chronischen Erkrankungen, zeigen den größeren Kontext der funktionellen Hashimoto-Behandlung.

Quellen

  1. Chaker, L. et al. (2017). Hypothyroidism. The Lancet, 390(10101), 1550–1562. PMID: 28336049
  2. Knezevic, J. et al. (2020). Thyroid-Gut-Axis: How does the microbiota influence thyroid function? Nutrients, 12(6), 1769. PMID: 32545596
  3. Rayman, M.P. (2019). Multiple nutritional factors and thyroid disease, with particular reference to autoimmune thyroid disease. Proceedings of the Nutrition Society, 78(1), 34–44. PMID: 30208979
  4. Vojdani, A. (2015). Molecular mimicry as a mechanism for food immune reactivities and autoimmunity. Alternative Therapies in Health and Medicine, 21(S1), 34–45. PMID: 25599184
  5. Ventura, M. et al. (2017). Selenium and Thyroid Disease: From Pathophysiology to Treatment. International Journal of Endocrinology, 2017, 1297658. PMID: 28255299
  6. Wang, J. et al. (2015). Meta-analysis of the association between vitamin D and autoimmune thyroid disease. Nutrients, 7(4), 2485–2498. PMID: 25854833

Timo und Manuel Freisteller lachend

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