Hinter der Suche nach Autosuggestion Selbstheilung steht meistens eine sehr konkrete Hoffnung: dass ein Satz, den du dir selbst sagst, in deinem Körper etwas bewegt. Diese Hoffnung hat einen realen Kern. Der französische Apotheker Émile Coué beschrieb schon vor gut hundert Jahren, dass die Vorstellungskraft stärker auf den Körper wirkt als der bloße Wille, und die Forschung hat diesem Gedanken seither erstaunlich viel Substanz gegeben. Wie deutlich ein Satz ankommt, hängt allerdings davon ab, wie er gebaut ist und welche Sätze vorher schon in dir liefen. Beides schaust du dir hier an, mit den Studien dazu und mit dem, was die Epigenetik heute darüber sagen kann.
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Das Wichtigste in Kürze
Autosuggestion bezeichnet die gezielte Selbstbeeinflussung durch eigene Sätze, Vorstellungen und innere Bilder. Bekannt gemacht hat die bewusste Autosuggestion der französische Apotheker Émile Coué, der sie als tägliche Übung verstand.
Verbale Suggestion ist unter den untersuchten Wegen, eine Erwartung zu erzeugen, der wirksamste. In einer Meta-Analyse über 30 Studien zum Schmerzempfinden erreichte sie eine Effektstärke von 0,75, die reine Vorstellungskraft lag bei 0,27.
Suggestion wirkt auch ohne Täuschung. In 37 kontrollierten Studien mit 3.021 Teilnehmenden zeigten offen deklarierte Placebos messbare Effekte, und die Erwartung war der stärkste Faktor für ihre Höhe.
Ein Gedanke aktiviert dieselbe Hormonachse wie ein äußerer Reiz. Der Hypothalamus reagiert auf beides, und über Hypophyse und Nebennieren wird daraus eine messbare körperliche Antwort.
Ein Satz verankert sich am besten, wenn zuerst der gegenteilige alte Satz gelöst wurde, wenn er in der zweiten Person steht und wenn er regelmäßig wiederholt wird.
Ob Autosuggestion epigenetische Markierungen an der DNA verändert, ist bislang nicht untersucht. Für benachbarte Mind-Body-Verfahren ist eine Verschiebung der Genaktivität beschrieben. Ob der innere Dialog denselben Weg nimmt, ist eine offene Forschungsfrage, an der gerade gearbeitet wird.
Was ist Autosuggestion?
Autosuggestion bezeichnet die gezielte Selbstbeeinflussung durch eigene Sätze und innere Bilder, mit denen ein Mensch eine Erwartung in sich anlegt. Bekannt gemacht hat die bewusste Autosuggestion der französische Apotheker Émile Coué, der sie als tägliche Übung verstand. Den Ausschlag gibt die Erwartung, die ein Satz im Menschen auslöst.
Coué arbeitete mit einer bewusst schlichten Formel, nach der es einem jeden Tag in jeder Hinsicht immer besser gehe. Sein Punkt war die Leichtigkeit: Wer sich anstrengt, einen Satz zu glauben, arbeitet gegen die eigene Vorstellungskraft an. Wer ihn ruhig und oft wiederholt, lässt die Vorstellung ihre Arbeit machen. Diese Beobachtung ist hundert Jahre alt und deckt sich in vielen Punkten mit dem, was die Erwartungsforschung heute misst.
Autosuggestion, Affirmation, autogenes Training und Visualisierung
Diese vier Begriffe werden im Alltag oft synonym verwendet, meinen aber unterschiedliche Zugänge zu derselben Grundidee. Die Unterschiede liegen darin, wie stark ein Verfahren formalisiert ist und ob es mit Worten oder mit Bildern arbeitet.
| Verfahren | Kern | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| Autosuggestion | Bewusst wiederholter Satz, der eine Erwartung anlegt | Alltag, Vorbereitung auf Belastung |
| Affirmation | Positiv formulierter Satz über einen Zustand, meist im Präsens | Coaching, Arbeit am Selbstwert |
| Autogenes Training | Standardisiertes Entspannungsverfahren mit festen Formeln zu Schwere und Wärme, entwickelt von Johannes Heinrich Schultz | Anspannung, Schlaf, chronischer Schmerz |
| Visualisierung | Inneres Bild anstelle eines Satzes | Sport, Vorbereitung auf konkrete Situationen |
In der Praxis ist die Trennung weniger streng, als sie hier aussieht. Autogenes Training ist im Kern eine standardisierte Autosuggestion, und wer eine Affirmation regelmäßig spricht, betreibt Autosuggestion. Interessant wird die Unterscheidung erst bei der Frage nach der Wirkung.
Was die Forschung über die Wirkung zeigt
Die Forschung zeigt, dass verbale Suggestion die deutlichste Wirkung auf das Schmerzempfinden hat, verglichen mit den anderen Wegen, eine Erwartung zu erzeugen. Eine Meta-Analyse im Fachjournal Pain wertete 30 Studien aus und verglich drei Zugänge miteinander: die verbale Suggestion, das Lernen am Modell und die eigene Vorstellungskraft. Die verbale Suggestion erreichte eine Effektstärke von g = 0,75 und damit den stärksten Effekt, die reine Vorstellungskraft lag mit 0,27 darunter (1). Effektstärke ist dabei ein Maß dafür, wie deutlich sich zwei Gruppen voneinander unterscheiden, und ein Wert um 0,75 liegt im mittleren bis großen Bereich.
Noch interessanter ist, was passiert, wenn Menschen genau wissen, dass sie es mit einer Suggestion zu tun haben. Eine Netzwerk-Meta-Analyse in Scientific Reports fasste 37 kontrollierte Studien mit 3.021 Teilnehmenden zusammen und untersuchte offen deklarierte Placebos, also Anwendungen, bei denen niemand getäuscht wird. Auch unter diesen Bedingungen zeigten sich messbare Effekte, und die Erwartung der Teilnehmenden war der stärkste Faktor dafür, wie deutlich sie ausfielen (2). Für dich heißt das: Wissen und Wirkung schließen sich nicht aus. Untersucht wurde die offene Anwendung trotz Wissens, und die Erwartung, mit der jemand hineingeht, war der stärkste Faktor für die Höhe des Effekts. Entscheidend ist, dass du ihn ernsthaft anwendest.
Wie eng Erwartung und Körperreaktion zusammenhängen, zeigt sich auch in der Gegenrichtung, wenn eine negative Erwartung körperliche Beschwerden verstärkt. Wie dieser Mechanismus in beide Richtungen arbeitet und was er für den Umgang mit Beipackzetteln und Diagnosegesprächen bedeutet, beschreibt der Beitrag zu Placebo und Nocebo.
Wie zuverlässig sind die Effekte?
Am deutlichsten wirkt Suggestion auf das Erleben, also auf Schmerzintensität, Anspannung, Übelkeit und Stimmung, und nicht auf objektiv gemessene Krankheitsverläufe. Für diese fand die Übersicht keine belangvollen Effekte. Eine Cochrane-Übersicht über 234 Studien mit 16.566 Teilnehmern fand für Placebo-Interventionen Effekte vor allem dort, wo Menschen selbst berichten, wie es ihnen geht (3). Bei chronischem Schmerz fällt der Suggestionseffekt außerdem kleiner aus als bei akut ausgelöstem Schmerz (1).
Ein ähnliches Bild zeigt sich beim autogenen Training. Eine Meta-Analyse aus ausschließlich randomisierten Studien mit 576 Teilnehmenden fand eine moderate Senkung chronischer Schmerzen, auf einer Ebene mit anderen psychologischen Verfahren (4). Auch für Meditationsprogramme kommt eine Auswertung im JAMA Internal Medicine über 47 Studien mit 3.515 Teilnehmenden nach achtwöchigen Programmen zu moderaten Belegen bei Angst, depressiven Symptomen und Schmerz, gemessen an aktiven Vergleichsbehandlungen auf gleicher Höhe (5).
Das ist für dich eine praktische Erleichterung. Du kannst den Zugang wählen, der dir am besten liegt, weil autogenes Training und Meditationsprogramme in diesen Auswertungen auf einer Ebene mit anderen psychologischen Verfahren liegen. Was zählt, ist die Regelmäßigkeit.
Warum dein Körper auf einen Gedanken reagiert wie auf eine echte Situation
Ein Gedanke kann im Körper dieselbe Kette in Gang setzen wie ein äußerer Reiz. Das Gehirn bewertet eine vorgestellte Bedrohung ähnlich wie eine reale, und diese Bewertung erreicht den Hypothalamus. Der Hypothalamus, die Schaltstelle im Zwischenhirn, die Nervensystem und Hormonsystem miteinander verbindet, reagiert auf beides. Er gibt ein Signal an die Hypophyse weiter, die Hypophyse aktiviert die Nebennieren, und dort werden Stresshormone ausgeschüttet. Diese Kette heißt HPA-Achse, benannt nach Hypothalamus, Hypophyse und Nebennierenrinde, und sie ist der Grund, warum ein innerer Satz körperlich messbar wird.
Für diese Signale kennt der Körper zwei Grundzustände. Im Schutzmodus fließt Energie in Wachsamkeit, Muskelspannung und schnelle Reaktionsbereitschaft. Im Wachstumsmodus laufen Reparatur, Verdauung, Immunarbeit und Regeneration. Der Körper kann beide Zustände schlecht gleichzeitig halten, und deshalb entscheidet der innere Grundton mit darüber, wie viel Raum die Regeneration im Alltag bekommt.
Über Jahre summiert sich dieser Grundton, und an dieser Stelle wird die Epigenetik interessant. Eine Übersichtsarbeit in Biological Psychiatry wertete im Humananteil 27 Studien aus und fand in 89 Prozent von ihnen eine erhöhte Methylierung am Gen NR3C1 nach früher Belastung (6). NR3C1 ist der Bauplan für den Glukokortikoid-Rezeptor, also für die Andockstelle des Cortisols, und Methylierung meint eine chemische Markierung an der DNA, die mitsteuert, wie kräftig ein Gen abgelesen wird. Eine Kohortenstudie in Genome Biology mit 392 Menschen fand einen Zusammenhang zwischen der Summe der Belastungen über die gesamte Lebenszeit und der epigenetischen Alterung, einem aus Methylierungsmustern berechneten Schätzwert für das biologische Alter (7). Frühe Belastung allein erklärte diesen Zusammenhang dort nicht. Untersucht wurde eine einzelne städtische Kohorte in den USA, für andere Bevölkerungsgruppen steht die Bestätigung aus.
Die Gegenrichtung ist ebenfalls beschrieben. Ein Review in Frontiers in Immunology fasste 18 Studien zu Mind-Body-Praktiken wie Meditation, Yoga und Atemübungen zusammen und fand einen konsistenten Rückgang der Aktivität im NF-kB-Signalweg, also in dem Programm, über das der Körper Entzündungsgene hochfährt (8). Gemessen wurde dort die Genexpression, also wie stark ein Gen in diesem Moment abgelesen wird. Wie die Kette von der Belastung bis in die Genregulation im Detail verläuft und an welchen Stellen sie sich beeinflussen lässt, zeichnet der Beitrag zu Stress und Genregulation Schritt für Schritt nach.
Ob sich auch ein bewusst gesetzter Satz auf die Genaktivität oder gar auf die Methylierungsmuster auswirkt, ist eine Frage, an der die Forschung gerade erst arbeitet. Gut belegt ist bereits, dass der Weg vom Gedanken über die Hormonachse bis in die Zelle existiert. Wie viel ein einzelner bewusst gesetzter Satz auf diesem Weg bewegt, ist offen, und genau daran arbeitet die Forschung gerade.
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Autosuggestion Selbstheilung: Wie wird sie angewendet?
Wer nach Autosuggestion Selbstheilung sucht, meint meistens die Frage, ob sich die Regenerationsfähigkeit des eigenen Körpers durch innere Sätze unterstützen lässt. Selbstheilung ist dabei der Alltagsbegriff für das, was fachlich Selbstregulation heißt: die Fähigkeit des Körpers, nach einer Belastung wieder in einen Zustand zu finden, in dem Reparatur und Regeneration laufen. Autosuggestion beeinflusst in diesem Rahmen den Grundton, in dem der Körper arbeitet, und sie steht als Ergänzung neben einer medizinischen Behandlung. Welche weiteren Hebel dafür zur Verfügung stehen, von Schlaf über Ernährung bis zur Bewegung, ordnet der Beitrag zu Selbstheilungskräfte aktivieren mit der jeweiligen Studienlage ein.
Die Reihenfolge, die den Unterschied macht
Ein neuer Satz verankert sich am besten, wenn der alte vorher Platz gemacht hat. Wer einen aufbauenden Satz auf einen langjährigen gegenteiligen legt, arbeitet gegen einen inneren Widerspruch an, und dann findet der neue Satz wenig Halt. In Modul 4 der Epigenetik-Coach Ausbildung ist das eine feste Regel: Affirmationen entfalten ihre Wirkung erst, wenn die destruktiven Sätze davor gelöst wurden, und sie brauchen Regelmäßigkeit. Wenn ein Satz bei dir bisher nicht angekommen ist, liegt das oft an dieser Reihenfolge und nicht an dir. Für deinen Alltag lässt sich die Regel in drei Schritte übersetzen, die aufeinander aufbauen.
- Raum schaffen: Schreibe auf, welcher Satz zu deinem Thema bereits in dir läuft, etwa „ich halte ohnehin nicht durch“. Diesen Satz zu kennen ist die Voraussetzung dafür, ihn zu lösen.
- Verankern: Formuliere den neuen Satz so, dass er zu dem passt, was du dir aktuell zutraust. Ein Satz eine Stufe über deiner heutigen Überzeugung trägt weiter als einer zehn Stufen darüber.
- Wiederholen: Lege den Satz an eine feste Stelle im Tag, etwa an das Zähneputzen. Regelmäßigkeit ist in den Unterlagen die zweite Bedingung neben der Reihenfolge.
Wenn hinter dem alten Satz eine belastende Erfahrung steht, führt der Weg über die Verarbeitung dieser Erfahrung. Welche Schritte dabei tragen und woran du erkennst, wann professionelle Begleitung der bessere Weg ist, beschreibt der Beitrag zum Trauma verarbeiten.
Sag du statt ich
Die grammatische Person, in der du mit dir sprichst, verändert die Wirkung deines Satzes messbar. Sieben Experimente mit 585 Teilnehmenden im Journal of Personality and Social Psychology verglichen die Selbstansprache in der ersten Person mit der Ansprache in der zweiten Person oder mit dem eigenen Vornamen (9). Wer sich mit „du“ oder beim Namen ansprach, ging ruhiger in eine belastende Aufgabe hinein, bewertete sie danach als weniger bedrohlich und grübelte kürzer darüber nach.
Die Autoren erklären das damit, dass die zweite Person einen kleinen Abstand zum eigenen Erleben herstellt, und aus diesem Abstand heraus fällt Regulation leichter. Für dich bedeutet das eine sehr einfache Änderung: Aus „ich schaffe das“ wird „du schaffst das“ oder, mit dem eigenen Vornamen, „Anna, du schaffst das“. Untersucht wurde das im Labor mit gesunden Teilnehmenden, und für die Minuten vor einem schwierigen Gespräch oder einer Prüfung ist der Effekt damit in mehreren Experimenten belegt.
Ein kurzer Satz kommt weiter als ein perfekter
Ein Satz, der ankommt, ist kurz, in der Gegenwart formuliert, in der zweiten Person gesprochen und nah genug an dem, was du dir gerade zutraust. Kurz heißt, dass er in einem Atemzug sprechbar bleibt, weil ein Satz, den du dir erst merken musst, im Alltag untergeht. Die Gegenwartsform hält den Zustand im Jetzt, während eine Zukunftsform ihn bei jeder Wiederholung wegschiebt.
Warum die zweite Person hilft, hat die eben beschriebene Studienlage gezeigt. Und die Nähe zu deiner Überzeugung entscheidet darüber, ob dein Satz auf Zustimmung trifft: „Du bist auf einem guten Weg“ trägt bei den meisten Menschen weiter als „Du bist vollkommen gesund“.
Wo liegen die Grenzen bei Autosuggestion Selbstheilung?
Die Grenzen verlaufen dort, wo aus einem Einfluss auf das Erleben ein Einfluss auf den Krankheitsverlauf werden soll. Dabei lohnt es sich, zwei Ebenen sauber auseinanderzuhalten, die im Netz oft in einem Atemzug genannt werden. Genexpression beschreibt, wie stark ein Gen in diesem Moment abgelesen wird. Epigenetik beschreibt die längerfristigen Markierungen an der DNA, die diese Ablesung mitsteuern.
Der Review zu den Mind-Body-Praktiken hat die erste Ebene gemessen (8). Für die zweite Ebene liegt zu Autosuggestion bislang keine eigene Untersuchung vor, und damit ist sie eine der spannenderen offenen Fragen im Feld. Wenn Meditation und Yoga die Aktivität von Entzündungsgenen verschieben, liegt die Frage nah, ob der innere Dialog daran einen Anteil hat. Die Methoden, um das zu messen, sind inzwischen vorhanden.
Eine zweite Grenze betrifft die Erwartung, die manchmal an eine positive Grundhaltung geknüpft wird. Eine prospektive Studie im Fachjournal Cancer begleitete 1.093 Menschen mit Kopf-Hals-Tumoren und fand zwischen emotionalem Wohlbefinden und Überleben keinen Zusammenhang, in keiner Untergruppe (10). Eine Übersicht im BMJ über 26 Studien kam für Kampfgeist und Hoffnungslosigkeit zum gleichen Ergebnis (11). Das entlastet, weil es Menschen mit einer schweren Erkrankung die Last abnimmt, ihren Verlauf mit der richtigen Einstellung steuern zu müssen.
An dieser Stelle zieht auch das HealVersity-Curriculum eine eigene Linie. In Modul 6 der Epigenetik-Coach Ausbildung steht eine Unterscheidung, die im Coaching viel Frust erspart. Innere Sätze, die vor allem das Urteil eines anderen Menschen kleiner machen sollen, etwa „ach, das ist doch nicht wichtig, was der über mich sagt“, bleiben nah an der Situation, die sie beruhigen wollen. Tragfähig wird die proaktive Richtung, und sie beginnt beim Wahrnehmen der eigenen Gefühle. Aus dem Gefühl wird ein Bedürfnis erkennbar, aus dem Bedürfnis ein Wunsch, und erst daraus ergibt sich der Gedanke, der zu dir passt. Dein Satz steht damit am Ende einer Kette, und das macht ihn belastbar.
Wann ärztliche Begleitung dazugehört
Ärztliche Begleitung gehört immer dann dazu, wenn Beschwerden neu auftreten, länger anhalten, sich verschlechtern oder deinen Alltag einschränken. Anhaltende Schmerzen, ungeklärter Gewichtsverlust, Fieber über mehrere Tage, Atemnot, neurologische Ausfälle und jede Form von Suizidgedanken gehören zeitnah in ärztliche Hände.
Wenn bereits eine Behandlung läuft, gilt eine klare Regel: Verändere oder beende sie nicht auf eigene Faust. Autosuggestion tritt nicht an die Stelle einer Therapie, sie kann daneben stehen. Welche Übungen zur Selbstregulation dazupassen, besprichst du mit der Praxis, die dich behandelt. Dort ist dein Verlauf bekannt, und das ist die beste Grundlage für diese Einordnung.
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Demo-Zugang startenHäufige Fragen zu Autosuggestion
Was ist Autosuggestion einfach erklärt?
Autosuggestion ist die bewusste Beeinflussung des eigenen Erlebens durch selbst gesprochene oder gedachte Sätze. Du legst damit eine Erwartung in dir an, und diese Erwartung verändert, wie dein Körper auf eine Situation reagiert. Bekannt gemacht hat die bewusste Autosuggestion der französische Apotheker Émile Coué, der mit kurzen Formeln arbeitete, die ruhig wiederholt werden.
Wirkt Autosuggestion auch, wenn ich nicht daran glaube?
Du musst an keine geheimnisvolle Kraft glauben. Eine Netzwerk-Meta-Analyse über 37 kontrollierte Studien mit 3.021 Teilnehmenden untersuchte offen deklarierte Placebos, bei denen die Teilnehmenden genau wussten, womit sie es zu tun hatten, und auch dort zeigten sich messbare Effekte (2). Wie deutlich sie ausfielen, hing davon ab, wie offen jemand hineinging. Wissen um den Mechanismus schadet also nicht. Untersucht wurden dabei Placebo-Gaben, nicht selbst gesprochene Sätze, für Autosuggestion liegt diese Auswertung noch nicht vor.
Was ist der Unterschied zwischen Autosuggestion und autogenem Training?
Autogenes Training ist eine standardisierte Form der Autosuggestion mit festen Formeln zu Schwere und Wärme, entwickelt von Johannes Heinrich Schultz. Autosuggestion im weiteren Sinn ist frei formulierbar und an kein Übungsschema gebunden. Für autogenes Training liegt eine Meta-Analyse randomisierter Studien mit 576 Teilnehmenden vor, die eine moderate Senkung chronischer Schmerzen zeigt, auf einer Ebene mit anderen psychologischen Verfahren (4).
Kann Autosuggestion meine Gene beeinflussen?
Für Autosuggestion selbst liegt dazu noch keine Studie vor. Belegt ist das Umfeld, in dem Mind-Body-Praktiken wie Meditation und Yoga die Aktivität von Entzündungsgenen verschieben (8) und anhaltende Belastung Spuren in der Genregulation hinterlässt (6, 7). Der innere Dialog liegt zwischen diesen beiden Beobachtungen, und ob er sie verbindet, gehört zu den offenen Fragen, an denen gerade geforscht wird. Beschrieben ist immerhin der Weg vom Gedanken über die HPA-Achse bis in die Zelle.
Wie lange dauert es, bis Autosuggestion wirkt?
Dafür gibt es aktuell keine belastbare Zahl. Die verbreiteten Angaben von 21 Tagen oder sechs Wochen stammen nicht aus Untersuchungen zu Autosuggestion, deshalb geben wir sie hier nicht weiter. Aus der Studienlage lässt sich ableiten, dass Effekte auf das unmittelbare Erleben in Suggestionsexperimenten sofort auftreten, während sich lange eingeübte Denkmuster deutlich langsamer verändern. Praktisch bewährt hat sich, den Satz an eine tägliche Routine zu koppeln und in ruhigen Abständen zu prüfen, ob sich dein Umgang mit der Situation verändert hat.
Wann gehört ärztliche Begleitung dazu?
Immer dann, wenn Beschwerden neu auftreten, länger anhalten, sich verschlechtern oder deinen Alltag einschränken. Anhaltende Schmerzen, ungeklärter Gewichtsverlust, Fieber über mehrere Tage, Atemnot, neurologische Ausfälle und Suizidgedanken gehören zeitnah in ärztliche Hände. Wenn bereits eine Behandlung läuft, gilt eine klare Regel: Verändere oder beende sie nicht auf eigene Faust. Autosuggestion tritt nicht an die Stelle einer Therapie, sie kann daneben stehen. Welche Übungen dazupassen, besprichst du am besten mit der behandelnden Praxis.
Quellen
(1) Peerdeman KJ, van Laarhoven AIM, Keij SM, et al. Relieving patients‘ pain with expectation interventions: a meta-analysis. Pain. 2016;157(6):1179-1191. PubMed: 26945235.
(2) Buergler S, Sezer D, Bagge N, et al. The roles of expectation, comparator, administration route, and population in open-label placebo effects: a network meta-analysis. Sci Rep. 2023;13:11827. PubMed: 37481686.
(3) Hróbjartsson A, Gøtzsche PC. Placebo interventions for all clinical conditions. Cochrane Database Syst Rev. 2010;(1):CD003974. PubMed: 20091554.
(4) Kohlert A, Wick K, Rosendahl J. Autogenic Training for Reducing Chronic Pain: a Systematic Review and Meta-analysis of Randomized Controlled Trials. Int J Behav Med. 2022;29(5):531-542. PubMed: 34705227.
(5) Goyal M, Singh S, Sibinga EMS, et al. Meditation programs for psychological stress and well-being: a systematic review and meta-analysis. JAMA Intern Med. 2014;174(3):357-368. PubMed: 24395196.
(6) Turecki G, Meaney MJ. Effects of the Social Environment and Stress on Glucocorticoid Receptor Gene Methylation: A Systematic Review. Biol Psychiatry. 2016;79(2):87-96. PubMed: 25687413.
(7) Zannas AS, Arloth J, Carrillo-Roa T, et al. Lifetime stress accelerates epigenetic aging in an urban, African American cohort. Genome Biol. 2015;16:266. PubMed: 26673150.
(8) Buric I, Farias M, Jong J, et al. What Is the Molecular Signature of Mind-Body Interventions? A Systematic Review of Gene Expression Changes Induced by Meditation and Related Practices. Front Immunol. 2017;8:670. PubMed: 28670311.
(9) Kross E, Bruehlman-Senecal E, Park J, et al. Self-talk as a regulatory mechanism: how you do it matters. J Pers Soc Psychol. 2014;106(2):304-324. PubMed: 24467424.
(10) Coyne JC, Pajak TF, Harris J, et al. Emotional well-being does not predict survival in head and neck cancer patients. Cancer. 2007;110(11):2568-2575. PubMed: 17955501.
(11) Petticrew M, Bell R, Hunter D. Influence of psychological coping on survival and recurrence in people with cancer: systematic review. BMJ. 2002;325(7372):1066. PubMed: 12424165.

