Epigenetik Krankheiten: Chancen für ganzheitliche Medizin

Kann Epigenetik Krankheiten beeinflussen?

Die wichtigsten Fakten zum Thema “Epigenetik Krankheiten” zuerst:

    • Epigenetik untersucht Prozesse, die die Wirksamkeit von Genen im Körper beeinflussen. 
    • Solche Prozesse können Erkrankungen hemmen oder begünstigen. 
    • Sie selbst können abhängig von Lebensumständen und Umwelteinflüssen sein. 
    • Heilpraktikerinnen und anderen Akteuren im Gesundheitsbereich bieten sich hier mögliche Ansatzpunkte, um ihren Patienten ganzheitlich zu helfen. 

Epigenetik Krankheiten: Oft sind mehrere Faktoren die Ursache

Warum werden wir krank?

Die Frage nach Ursachen einer Krankheit gehört zu den wichtigsten Aufgaben der Medizin. Wenn du die Ursachen genau kennst, steigen die Chancen auf eine wirksame Prophylaxe oder Heilung bestenfalls deutlich. Leider ist die Ursachenforschung nicht einfach. Oft gibt es mehrere wichtige Faktoren, die sich zudem gegenseitig beeinflussen. 

Strittig ist etwa der Anteil endogener und exogener Faktoren. Entstehen Krankheiten eher durch äußere (exogene) Bedingungen wie Lebensumstände? Oder sind überwiegend die Gene als endogene Faktoren verantwortlich?

Belege gibt es für beides. So ist zum Beispiel das individuelle genetische Risiko, an Alzheimer-Demenz zu erkranken, bei verschiedenen Menschen unterschiedlich hoch.

Epigenetik Krankheiten am Beispiel von Alzheimer-Demenz

Zu den größten genetischen Risikofaktoren für die altersbedingte Variante der Alzheimer-Demenz gehört der Eiweißstoff “Apolipoprotein E” (ApoE). Er ist unter anderem für den Fettstoffwechsel im menschlichen Körper verantwortlich.

Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen nennt drei Varianten dieses Stoffs. Bei der häufigsten sei das Alzheimer-Risiko durchschnittlich. Eine der anderen Varianten erhöhe das Risiko, die andere verringere es. 

Allerdings zeigen Studien, dass unter anderem eine hohe Belastung durch Stress das Alzheimer-Risiko erhöhen kann. Und wie bei Morbus Alzheimer spielen bei anderen Krankheiten innere und äußere Faktoren eine Rolle.

Dabei betrachten besonders medizinische Laien die möglichen Ursachen oft getrennt voneinander, insbesondere genetische und Umweltfaktoren. Interessant ist aber gerade das Zusammenspiel.

Umweltbedingungen können Genmutationen hervorrufen. Das ist allgemein bekannt. Es gibt aber noch einen anderen und zumeist häufigeren Einfluss der Umwelt auf die Gene. Mit ihm beschäftigen sich Epigenetiker.

Epigenetik Krankheiten

Das Bild vom Orchester und der Partitur

Klären wir zunächst einmal, was Epigenetiker eigentlich untersuchen und wie sich ihr wissenschaftliches Arbeitsfeld von der Genetik unterscheidet.

Für den Vergleich beider Disziplinen passt ein gern genutztes Bild aus der Musik. In ihm entsprechen die Gene der Partitur, also dem schriftlich fixierten Musikstück. Ein Orchester kann die Partitur allerdings auf andere Art interpretieren als ein anderes. Epigenetische Modifikationen im menschlichen Körper bestimmen, wie wir den genetischen Code (die Partitur) interpretieren. 

Um die Modifikationen noch etwas besser zu verstehen, ist ein Blick auf die DNA wichtig. Sie wird im menschlichen Körper quasi verpackt und um einen Histonkomplex gewickelt. Histone sind Proteine. Stelle sie dir wie eine Garnrolle vor und die DNA wie das Garn.

Ein einzelner Histonkomplex mit DNA heißt Nukleosom. Nichthiston-Proteine reihen Nukleosome kettenförmig aneinander, verdichten sie erneut und es entsteht Chromatin. Chromatin ist quasi so etwas wie die nächstgrößere Verpackungseinheit für die Träger der Erbinformation im Körper.

Die von Epigenetikern untersuchten Modifikationen ändern das Erbgut selbst nicht nachhaltig. Sie können aber beispielsweise die Histone oder die DNA reversibel verändern, sodass sie bestimmte Stoffe anziehen oder abstoßen.

Das beeinflusst unter Umständen, wie gut der genetische Code lesbar ist, und wirkt auf die Genexpression. Sie (die Genexpression) aktiviert die genetische Substanz, sodass eine Zelle ihre Struktur und Funktionen ausbildet.

Ein Beispiel für eine chemische Verbindung, die den Histonen hinzugefügt oder von ihnen entfernt wird, sind Acetylgruppen. Die Histone werden acetyliert oder deacetyliert. Im erstgenannten Fall lockert sich dadurch die Struktur des Chromatins, sodass die genetischen Informationen abgelesen werden können.

Hier wird nochmals der Unterschied zur Genetik deutlich. Die genetische Information ändert sich nicht, nur ihre Lesbarkeit. Und das kann auch Auswirkungen auf die Gesundheit haben.

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Krebserkrankung und die Methylierung der DNA

Die DNA-Methylierung ist ein weiterer regulatorischer Prozess. Statt der Acetylgruppen geht es hier um Methylgruppen. Sie zeigen unter anderem, welche Bedeutung die Epigenetik bei Krebs haben kann.

Drei Arten von Genen können bei einer Krebserkrankung eine Rolle spielen:

  • Onkogene,
  • Tumorsuppressor-Gene und
  • Reparaturgene.

Werden Onkogene durch Vorgänge wie eine Genmutation aktiviert, kann das zu Tumorwachstum führen. Tumorsuppressor-Gene können ein unkontrolliertes Zellwachstum dagegen unterdrücken. Reparaturgene sind fähig, DNA-Schäden zu beseitigen. 

Methylierung kann als ein epigenetischer Prozess dazu führen, dass Tumorsuppressor-Gene ausgeschaltet werden.

Zudem hat eine Studie mit Mäusen gezeigt, dass die Methylierung das Krebsrisiko wie eine Art Schutzschild reduzieren könnte. Die Studie stammt von Forschern aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und dem Bostoner Massachusetts Institute of Technology (MIT).  

Die Wissenschaftler untersuchten Mäuse mit einer Krebs verursachenden Mutation im Kras-Gen. Aufgrund der Mutation würden alle Tiere in jedem Fall Tumore entwickeln, schrieb das DKFZ 2013 auf seiner Website.

Bei einer Reihe von Tieren deaktivierten die Forscher das für eine Methylierung benötigte Enzym. Mäuse aus dieser Gruppe hätten große, schnell wachsende Lungentumore entwickelt, berichtete die DKFZ weiter. Bei den Tieren der Kontrollgruppe seien in der Lunge dagegen “nurkleine Tumore entstanden

Das zeigt zweierlei:

  • Methylierung scheint bei Entstehung und Verlauf einer Krebserkrankung, eine Rolle zu spielen.
  • Die exakte Wirkungsweise ist aber komplex und bedarf weiterer Forschung. 

Die Früherkennung könnte einfacher werden

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) hat in einer anderen Studie gemeinsam mit der Ohio State University noch etwas Interessantes herausgefunden.

Krebstypische Erbgut-Markierungen habe man bei Mäusen lange vor den Anfangssymptomen einer Blutkrebs-Erkrankung entdeckt. Damit könnte die Epigenetik bei Krebs Chancen auf eine verbesserte Früherkennung bieten und langfristig neue Wege für präventive Therapien aufzeigen.

Diabetes und Epigenetik: Zellen verändern sich

Die Max-Planck-Gesellschaft sah 2018 eine Ursache von Diabetes in einem epigenetischen “Kontrollverlust“. Insulinproduzierende Betazellen in der Bauchspeicheldrüse würden sich in einen anderen Zelltyp verwandeln. Solch ein Vorgang heißt in der Wissenschaft Dedifferenzierung.

Die Zellen ähneln nach ihrer Umwandlung ihren unmittelbaren Vorläuferzellen und produzieren kein Insulin mehr. Neben Belastungen des Zellstoffwechsels sei “der Zusammenbruch epigenetischer Barrieren” dafür verantwortlich. Sie würden “normalerweise die Identität der Betazelle stabilisieren“.

Krankheiten Epigenetik

Was haben Hungersnöte mit Diabetes zu tun?

Laut der Website des Robert Koch-Instituts (RKI) wurde bei 7,2 Prozent der deutschen Bevölkerung im Alter zwischen 18 und 79 Jahren mindestens einmal im Leben Diabetes diagnostiziert. Das sei, so das RKI weiter, im Vergleich zum Bundesgesundheitssurvey 1998 eine Prävalenzzunahme um etwa zwei Prozent­punkte.

Eine mögliche Ursache steigender Zahlen sieht die Humangenetikerin Henriette Kirchner in epigenetischen Veränderungen aufgrund von Hungersnöten. So sei es beispielsweise nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer Proteinmangelernährung gekommen.

Sie hätte Veränderungen im Körper der Menschen verursacht. Bei deren Nachkommen habe sie zu einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes, Übergewicht und koronarer Herzkrankheit geführt, wird sie 2021 im Ärzteblatt zitiert. Diese Nachfolgegeneration, so Kirchner weiter, hatte ausreichend zu essen, aber bewegte sich relativ wenig, was zu weiteren Veränderungen geführt habe.

Vererbung scheint möglich zu sein

Kirchner spricht im Ärzteblatt eine Thematik an, die lange Zeit kontrovers diskutiert wurde. Gibt es bei den Prozessen, die Epigenetiker untersuchen, so etwas wie eine Vererbung?

Dafür spricht eine Studie mit Mäusen, die 2016 unter anderem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung vorgestellt wurde. Sie stammt von Wissenschaftlern der Technischen Universität München und des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD).

Der Bericht des Ministeriums zitierte den DZD-Vorstand Prof. Dr. Martin Hrabe de Angelis mit den Worten:

“Wir konnten zum ersten Mal zeigen, dass die Vererbung erworbener Eigenschaften – in diesem Falle einer Fettleibigkeit, also eines entgleisten Metabolismus – tatsächlich durch epigenetische Mechanismen weitergegeben wird.”

Das bedeutet: Bei der Beziehung von Diabetes und Epigenetik könnten sich zuerst reversible Veränderungen, also dauerhaft etablieren und vererbt werden.

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Möglicher Einfluss auch auf die Psyche

Forscher des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie untersuchten bereits 2009 den möglichen Einfluss der Epigenetik auf Depression. Ihre Studie sprach für solch einen Einfluss. Auch hier seien Methylgruppen verantwortlich, die die Genaktivität beeinflussen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang eine belgische Studie, über die 2022 der MDR berichtete. Sie lieferte Hinweise darauf, dass eine besonders strenge Erziehung zu einer erhöhten Methylierung führen und das Risiko steigern kann, aufgrund dieses Prozesses aus der Epigenetik an Depression zu erkranken.

Welche Bedeutung hat das alles für Heilberufe?

Fassen wir zusammen: Die Epigenetik umfasst Prozesse im menschlichen Körper, die krankhafte Veränderungen begünstigen oder hemmen können. Zugleich ist sie selbst durch menschliches Verhalten und Umwelteinflüsse wie chronischen Stress veränderbar.

Die beschriebenen Prozesse lassen sich bisweilen deutlich früher erkennen als Symptome der Krankheit, was ein frühzeitiges Eingreifen ermöglicht.

Zugleich stärkt das Wissen um solche Prozesse die Tendenz zu einer ganzheitlichen Medizin, in der veränderte Lebensumstände, bestenfalls auch das Risiko schwerer Erkrankungen, senken. Diese Art der Medizin ist natürlich kein Garant für Gesundheit. Aber sie vergrößert die Chance auf ein gesundes Leben.

Heilpraktikern und Ärzten kann ein tiefgreifendes Verständnis der Prozesse die Chance geben, ihre Patienten auf diesem Weg nachhaltig zu unterstützen.

Eine Ausbildung zum Epigenetik Coach ist für genau diese Personengruppen die ideale Möglichkeit, neue, medizinische Lösungen zu finden.

Dr. med. Manuel Burzler, Mitgründer von HealVersity, ist ein Pionier im Bereich der funktionellen Medizin und Epigenetik. Seit der Gründung im Jahr 2020 setzt er seine umfassenden Kenntnisse ein, um HealVersity an die Spitze der innovativen Gesundheitsbranche zu führen.

Unter seiner Leitung hat das Unternehmen nicht nur eine führende Rolle in der Entwicklung von Konzepten für Epigenetik-Coachings eingenommen, sondern bietet auch die erste zertifizierte Fortbildung in diesem Bereich an.

Er verbindet in seiner Arbeit Persönlichkeitsentwicklung mit medizinischer Expertise, um neue Wege für das Wohlbefinden der Menschen zu schaffen.

Dr. med. Manuel Burzler | Epigenetik-Coach
Dr. med. Manuel Burzler
Med. Experte für funktionelle Medizin & Epigenetik
Ausbilder und Gründer
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